Ölgemälde

Die Venedig-Ausstellung
in der Galleria "Il Canale"


1968 hängen in der Galleria "Il Canale" in Venedig "merkwürdig gerahmte" Bilder eines Hamburger Malers. Irritierend und faszinierend, waren die Ölgemälde entgegen aller herkömmlichen Präsentationsnormen nicht gerahmt, sondern auf einem mit Leinwand bespannten Rahmen befestigt worden; ein Winkel schwarz bemalt, der gegenüberliegende naturbelassen - eine asymmetrische Spannung, die den expressiv realistischen Malstil von Felix Walner umfängt. Sie gibt der Betrachtung eine neue Dimension: einmal kontrastierend hell - gegenüber das Bild ins Dunkel saugend. Sind dies die unterschiedlichen Betrachtungswinkel, aus denen man das Leben sehen kann? Ist es die Irritation, die vom Bild ablenkt und aufmerksam zugleich machen soll?
Reduktion und Assoziation
Felix Walner hat sich - oft gleichzeitig - mit den verschiedensten Techniken beschäftigt: Holzschnitt, Radierung, Aquarell, Siebdruck, "seine" Wachsmalerei und natürlich Tempera und Öl. Sowohl als Maler als auch als Graphiker durchmischte er gern die Materialien und deren technische Stilelemente.

Seine Ölgemälde nehmen denn auch die typischen, oft graphischen "Kürzel" seiner symbolhaften Themenwelt auf. So entstammen die geometrischen Elemente und seine "Kegelköpfe" den Schablonenschnitten für den Siebdruck. Die leichten Lasuren neben kräftigen, linearen Strukturen erinnern an die Wachsmalerei, das Aquarell und - als Gegenpol - den Holzschnitt und die Radierungen.
Das Experiment bestimmt die kreative Kraft
Denkt man an Ölmalerei, so bestimmen Farbe und Pinsel bei den meisten Malern die Technik. Nicht so bei Felix Walner! Seine Bilder (wie könnte es anders sein) experimentieren mit allen Mitteln "gegen" das akademische Ölgemälde. Er überrascht mit Farbpulver, Sand und Materialabdrücken, und, und, und... Er kratzt und schabt auf der Leinwand, lasiert oder zieht die Linien direkt aus der Tube oder spritzt aus der Tintenflasche... dabei bleibt er seiner malerischen Erzählkunst treu, ohne sich in materialistischen Effekten zu verlieren. Diese Stringenz im Stil trotz virtuoser Vermischung gestalterischer Mittel wird durch seine tiefe akademische Kenntnis der Materialien möglich. Seine speziellen Grundierungen nahm er grundsätzlich selbst vor - und als Betrachter und häufiger Assistent in seinem Atelier begeisterte mich die Vielzahl seiner "Zutaten" und Rezepturen.
Licht und Schatten
Eine thematische Konstante im Werk Felix Walners sind die bedeutungsschweren Inhalte mythologischer Themen. Oft in scheinbar leichter, im mediterranen Farbklang angelegter Motive, erschienen seine typischen Symbole wie eine Bildsprache, die uns nachdenkliche Botschaften übermitteln. Eine Mechanik, die den Betrachter erst anlockt und ihn dann ins Thema zieht. Die schablonenartigen Körper und Büsten, seine typischen Blatt-Bäume, die Kind-auf-den-Schulter-Figuren, die Bühnen des "Welttheaters", die Trompeter, die Taube etc. - wie Hinweiszeichen auf dem Betrachtungsweg in seinen Bildern - das ist der Stoff seiner moralischen Gedankenwelt, die durch schwere Lebenserfahrungen von Krieg, von sozialer Not, aber auch von Aufbau und Hoffnung geprägt sind...

Seine Ölgemälde reflektieren diese tiefen Erfahrungen in einer kraftvoll expressiven Malweise.

Wolfgang v. Deuten, Mai 1998